Über uns
Vorstandsmitglieder von Musik der Welt in Bern. Verantwortlich für die Konzertreihe sind:

Stephan Lehmann, Erlach (Programmation, Organisation)
Charles Knuchel, Biel (Publikation)
Corinne Matthieu, Bern (Varia)

Musik der Welt in Bern

Wir wollen
Seit 28 Jahren sind die Konzerte von Musik der Welt in Bern / sounds of india ein offenes Fenster nach Osten und Süden, vorwiegend in die Hochkulturen Asiens und der Arabischen Welt und in die Weiten Afrikas. Länder die hierzulande, wenn überhaupt, oft nur unter einem politischen Sichtwinkel wahrgenommen werden und deren kultureller Reichtum meist unbekannt ist.

Wir wollen begeisternde Konzerterlebnisse vermitteln und die Gelegenheit bieten, einen noch vorhandenen musikalische Reichtum zu entdecken, der Neues eröffnet und Verbindungen knüpfen lässt. Kulturelle Begegnung ist längst keine exotische oder ethnologische Liebhaberei mehr, sondern eine Notwendigkeit in unserer wirtschaftlich vernetzten Gesellschaft, die andere Ausdrucksformen häufig entweder polarisiert oder nivelliert.

Die politischen Entwicklungen machen "Musik der Welt" auch zunehmend zu einem Beitrag für ein erweitertes Verständnis der Kulturen, speziell des weiten islamischen Raums. Die bei der Programmauswahl als Schwerpunkt berücksichtigten Gebiete umfassen 2/3 der Weltbevölkerung. Wir sind von der Wichtigkeit dieser Begegnung überzeugt. Die simple Erkenntnis, dass Musik die grösste individuelle und traditionelle Verschiedenheit zulässt und dennoch in ein allen Menschen gemeinsam mögliches Verständnis mündet, trägt ein verblüffend hoffnungsvolles Potential in sich.


Die Musiker/innen
Musiker mit verschiedenem Hintergrund finden zu uns nach Bern. Ihre Musik entsteht meist aus langem Traditionsbewusstsein, manchmal angereichert mit dem kurzlebigen Rhythmus der Städte, mit Klängen aus dem Exil und Texten des sozialen Engagements. Sie trägt die eingängigen, kargen Worte von Dorfgemeinschaften oder wurde in Fürstenhäusern über Jahrhunderte mit subtilsten Ornamenten verziert und durch abenteuerliche Virtuosität vollendet.

Gerade aus der klassischen Musik Indiens haben wir immer wieder sehr renommierte KünstlerInnen zu Gast, die von ihren Tourneen durch die grossen Konzerthäuser der Weltmetropolen zu äusserst freundschaftlichen Konditionen einen Abstecher nach Bern unternehmen. Musik der Welt in Bern wird unter indischen Musikern geschätzt, aber auch vom Publikum her hat sich ein Verständnis für die Feinheiten der klassischen Klänge entwickelt.

Die Bedeutung einer Smt. Lakshmi Shankar ist ebenbürtig derjenigen einer Maria Callas, eine Parvina Sultana entspricht in Ihrem Können einer Natalie Dessay oder Cecilia Bartoli und der Besuch eines L. Subramaniam in Bern ist zu vergleichen mit einem Konzert von Gidon Kremer oder Joshua Bell. Manche der von MdW eingeladenen indischen Musiker arbeiten auch mit Grössen der europäisch klassischen Musik wie Zubin Metha, Yo-Yo Ma oder früher mit Yehudi Menuhin zusammen, die von ihrer Biographie her den Reichtum anderer klassischen Traditionen kennen. Musik der Welt in Bern gelang es immer wieder, trotz marginalem Budget, die grosse Welt nach Bern zu holen.

Was würde geschehen, wenn die von Musik der Welt nach Bern eingeladenen MusikerInnen nicht in die Schweiz geholt würden? Dasselbe wie wenn nie europäische Klassik-Stars, Jazzgrössen oder Popmusiker in China, Indien oder Aegypten auftreten würden. Vordergründig nichts. Was man nicht kennt, vermisst man nicht. Aber es würde all dies nicht geschehen, was durch diese Kulturbegegnungen initiiert wird. Zum Beispiel die Erkenntnis, dass unsere kulturellen Leistungen gleichwertig neben weiteren ebenso facettenreichen, spannenden, virtuosen und geschichtsträchtigen stehen. Kultureller Reichtum entsteht wie der Materielle sowohl durch den Impuls von Innen wie mindestens ebenso auch durch die Öffnung nach aussen, den Austausch, die Begegnung mit dem Anderen.


Kultur organisieren
MusikerInnen die bei uns auftreten, haben häufig zuvor in Paris oder London vor 1000 - 2000 Leuten gespielt. In der Schweiz sind solche Publikumszahlen nicht zu realisieren, und Weltkultur kann nur mit Subventionierung stattfinden.

Kultur hatte in der Vergangenheit nie die Aufgabe materielle Werte zu generieren, sondern ermöglichte einem Gemeinwesen seine Identität. Sie ist nicht Bittstellerin sondern Gebende. Heute sind diese Verhältnisse ebenso wie der Begriff der Kultur selbst durcheinander geraten. Kultur schaffen heisst Sinn wirken oder wie Bruce Naumann es formulierte: "The True Artist Helps the World by Revealing Mystic Truths". Natürlich beinhaltetet dies viele Ebenen und wird wesentlich, wo die Oberfläche des Dreidimensionalen transparent wird und Wesen berührt, wo seelisches und geistiges in Bewegung kommt und der Einzelne wie die Gesellschaft dadurch eine Daseinsberechtigung erwirkt, welche sie durch die Produktion und Verschiebung von Gütern und Dienstleistungen noch nicht hat. So gesehen ist es eine Kernaufgabe von Staat und Wirtschaft die Kultur zu tragen, und sie sollte diese mit der selben Dringlichkeit angehen, wie Bildungs- und Forschungsinstitutionen gepflegt werden oder mit der Selbstverständlichkeit, wie zB. die Bewohner eines thailändischen Dorfes ihr nahegelegenes Kloster unterhalten.

Wir möchten unsere Gäste mit einer angemessenen Grosszügigkeit empfangen, Grafikerinnen, Techniker oder Webdesigner mit einem normalen Stundenlohn entschädigen und die eigene Arbeit mit dem Wert integrieren, den sie hat und der fast überall ausser im "freien" Kulturbereich üblich ist. Uns wohlgesonnenen öffentlichen Aemter und Institutionen stehen aber auch unter Spardruck und Sachzwängen.

Damit die Vielfalt des kulturellen Angebots erhalten bleibt, braucht es die Erkenntnis der Wirtschaft, dass Globalisierung sich nur mit sozialem Engagement, Umweltbewusstsein und einem wirklichen Interesse an der Kultur konstruktiv auswirkt! Falls Sie also in der Geschäftsführung eines weltoffenen Unternehmens sitzen sollten, ist es ein guter Zeitpunkt um Farbe zu bekennen und mit einem der buntesten Kulturprogramme zusammen zu spannen.


Die Entstehungsgeschichte aus persönlicher Perspektive
Stephan Lehmann

"Musik der Welt" hat wohl bereits beim begeisterten Lauschen der alten Langspielplatten aus der Kollektion im Elternhaus seinen Anfang genommen, beim zündenden, jugendlichen Erlebnis als ab einer UNESCO-Aufnahme zum ersten Mal indische Musik den Weg zu meinen Ohren fand und spontan das Gefühl von tieferen Ebenen dieser Musik vermittelte. Oder war es später, als ich den Weg geografisch ging, um einige Jahre in Indien zu leben? Es dauerte über ein Jahr und verlangte eine bewusste Suche um in die Kreise der Kunstmusik zu finden. Damals hatte Indien die Hälfte der heutigen Einwohnerdichte, sozusagen keinen motorisierten Privatverkehr, kein Abfallproblem und etwa alle tausend Kilometer ein TV-Gerät.
Anfang der 80er Jahre liess ich mich zu einem Musikstudium in Varanasi nieder, organisierte Hauskonzerte und konnte Kontakte zu grossartigen KünstlerInnen knüpfen. Diese wirkten nach und führten einige Jahre später dazu, dass die Musik nun nach Bern kam, im Wunsch diesen Reichtum einem hiesigen Publikum zu erschliessen. Der Anfang war wie immer improvisiert, doch es ergab sich rasch eine Kontinuität und Professionalisierung mit einem Anstieg der Arbeitsbelastung und einem Stundenlohn, der immer um Meilen hinterher hinkte. 1995 fusionierte sounds of india mit der Konzertreihe "Musik der Welt" von damals DRS2, auch in Kooperation mit Kultur & Entwicklung (heute artlink). Durch die Vorliebe der zuständigen Redaktoren Kjell Keller zur arabischen Musik und Jürg Solothurnmann zur Welt zwischen Karpaten und Kaukasus und den bestehenden Beziehungen zum indischen Subkontinent ergab sich ein natürlicher Schwerpunkt in den klassischen Musikhochkulturen der arabischen Welt und Asiens. Mit der Zeit wurde auch das wunderbare Liedgut afrikanischer Sänger südlich der Sahara immer mehr integriert. Diese Schwerpunkte wurden auch beibehalten, als der Konzertsaal des Radiostudios Bern geschlossen wurde und sich die organisatorische Zusammenarbeit wieder löste. Seither wird die Konzertreihe autonom weitergeführt. Ab 2008 wurde die Anzahl der Anlässe reduziert um den Aufwand nebenberuflich abdecken zu können. Gleichzeitig wurde die Zusammenarbeit mit CulturAll, dem MorgenAbendLand und anderen Veranstaltern intensiviert. In den letzten Jahren veranstalten wir zudem unter dem Namen "Musik am See" auch regelmässig Konzerte am Bielersee.